Tomokazu Harimoto – Fluch oder Segen für die Tischtennis-Szene?

Wie ich bereits im Rückblick auf die WM 2017 erwähnt habe spaltet der 13-Jährige Japaner Tomokazu Harimoto die Tischtennis Welt. In diesem Artikel möchte ich noch einmal genauer auf das japanische Wunderkind eingehen. Wer ist Tomokazu Harimto eigentlich? Wer fördert ihn von Beginn an so stark? Welche Auswirkungen kann so ein Spieler auf diesen Sport haben und inwiefern zwingt so ein Erfolg andere Nationen zum umdenken? Ist es möglich für ein deutsches Talent so jung die Weltspitze zu erreichen? Diesen Fragen und vielen mehr habe ich mir gestellt und versuche diese nun für euch zu beantworten.

Wer ist Tomokazu Harimoto?

Tomokazu Harimto ist am 27. Juni 2003 in Sendai geboren und ursprünglich unter dem Namen Zhang Zhihe auf die Welt gekommen. Seine Eltern kommen beide aus China, die dort beide schon sehr erfolgreich Tischtennis gespielt haben. Als Zhang Zhihe jedoch die japanische Staatsbürgerschaft erhielt hat er auch einen anderen Namen bekommen.

Wie sieht die Familie Harimoto aus?

5 Jahre vor der Geburt von Tomokazu sind seine Eltern nach Japan ausgewandert. Sowohl sein Vater Zhang Yu war chinesischer Nationalspieler als auch seine Mutter Zhang Ling. Tomokazu hat außerdem eine kleine Schwester, die 9 Jahre alt ist. Miwa Harimoto heißt sie und macht in der Tischtennis-Szene in Japan auch schon ein wenig auf sich aufmerksam. Ob sie auch so gut wird wie ihr Bruder wird sich zeigen. Immer wieder bringen die Japaner auch bei den Mädchen Top-Talente heraus, wie zum Beispiel die 16-Jährige Mima Ito, die bei der Weltmeisterschaft 2017 in Düsseldorf Bronze im Doppel gewonnen hat. Die 17-Jährige Miu Hirano hat sogar das Halbfinale im Einzel erreicht.

Sein Vater Zhang Yu ging damals mit seiner Frau nach Japan und trainierte im „Sendai City Table Tennis Centre“ japanische Talente. Die Trainererfahrungen spiegeln sich nun auch bei den Ergebnissen von Tomokazu Harimoto wieder. Es wird erzählt, dass das Wunderkind noch kein Jahr alt gewesen sein soll als er das erste mal mit dem Tischtennisschläger spielte. 12 Jahre später steht er im WM Viertelfinale. Richtig mit dem Training angefangen, behauptet Harimoto selbst, habe er mit dem Alter von 4 Jahren.

Erfolge von Tomokazu Harimoto:

Harimoto hat schon bei einigen Turnieren auf sich aufmerksam gemacht, dennoch spielt er nicht sehr viele Turniere. Dies halte ich für sinnvoll. In China wird es ähnlich gemacht, denn dort sollen die Kinder auch erst einmal die Technik perfektionieren. Irgendwann später werden dann einzelne Wettkämpfe ausgetragen, jedoch nicht so viele verschiedene wie hier in Deutschland.

Harimoto hat bereits im Februar 2015 zwei Top 100 Spieler geschlagen. Dies waren die nicht unbekannten Spieler Jens Lundquist und Omar Assar. Bei den Slovenian Open, die regelmäßig gut besetzt sind, erreichte er als jüngster Spieler aller Zeiten das Viertelfinale von einem World-Tour Turnier. Das Viertelfinale erreichte er ebenso letztens bei der Weltmeisterschaft 2017 in Düsseldorf, bei der er, den nominell besten Spieler Japans, Jun Mizutani besiegen konnte.

Im Jahr 2016 holte sich Harimoto seine 2 ersten großen Titel. Zuerst gewann er in seinem Heimatland den U21 Wettbewerb von einem World Tour. Bei der Jugendweltmeisterschaft in Kapstadt wurde er mit nur 13 Jahren und 163 Tagen jüngster Jugendweltmeister. Zu betonen dabei ist, dass die meisten Spieler 16,17 oder 18 Jahre alt waren.

Es gibt 2 weitere Spieler, die beim Gewinn der Jugendweltmeisterschaft noch relativ jung waren. Dies war zuerst 2006 sein Landsmann Kenta Matsudaira, in Kairo. 4 Jahre vor Harimoto gewann Fan Zhendong, der bei der Weltmeisterschaft in Düsseldorf 2017, nur das Finale gegen Ma Long verloren hat. Doch sowohl Matsudaira als auch Fan Zhendong waren beim Gewinn der Jugendweltmeisterschaft mindestens 2 Jahre älter. 

Eine Garantie für maximalen Erfolg im Erwachsenenbereich ist der Gewinn der Jugendweltmeisterschaft dennoch nicht. Der deutsche Tischtennisspieler Patrick Baum gewann seiner Zeit ebenfalls die Jugend WM, konnte jedoch nie wirklich die Weltspitze im Erwachsenenbereich erreichen. 

Bei der World Tour in Indien konnte Harimoto das Finale erreichen, indem er dann jedoch klar und deutlich gegen Dimitrij Ovtcharov verloren hat. Jedoch besiegte er auch bei diesem Turnier schon sehr gute Spieler, wie zum Beispiel den Mannschaftseuropameister Robert Gardos oder den ehemalige Mannschaftskameraden von Timo Boll, Kamal Achanta.

Ziele von Tomokazu Harimoto:

Ich war selbst früher im bayrischen Kader und habe auf nationalen Turnieren gespielt, deshalb weiß ich auch was normalerweise im Kopf eines 13-Jährigen los ist, der besser Tischtennis spielen kann als die meisten in seinem Umfeld. Das Harimoto jedoch ein Sonderfall ist, das sollte klar sein. Viele können ihr eigenes Niveau nicht richtig einschätzen und setzen sich selbst zu große Ziele. Dies führt dann meistens dazu, dass der Spaß am Tischtennis verloren geht, wenn man erkennt wie unrealistisch das erreichen der Ziele ist.

Ich habe vor einiger Zeit ein Interview mit einem noch jungen Tischtennisspieler geführt, der damals im Bundeskader war. Er selbst hat in diesem Interview erzählt, dass er davon träumte Weltmeister zu werden. Irgendwann hat er erkannt, dass dieses Ziel unrealistisch ist und die Erwartungen an ihn selbst viel zu hoch sind. Jetzt spielt er kaum noch Tischtennis, Mannschaftsspiele sowieso nicht mehr. Viele können das wahrscheinlich nicht so ganz nachvollziehen, jedoch ist das kein Einzelfall. Von meiner Zeit damals im Leistungskader spielen nicht mehr viele aktiv Tischtennis. Noch weniger betreiben Tischtennis als Leistungssport oder spielen in einer höheren Liga in Deutschland. Auch ich selbst habe 3 Jahre kaum trainiert und so Potenzial verschenkt, was bestimmt auch ein wenig mit zu hoch gesteckten Zielen zusammenhängt.

Seine genaue Zielsetzung:

Tomokazu Harimoto hat sich selbst auch ein großes Ziel gesetzt. Er möchte Olympiasieger werden. In 3 Jahren. In Tokio.

2020 finden nämlich die olympischen Spiel in seinem Land, genau genommen in Tokio, statt. Dieses Ziel hat er sich gesetzt und arbeitet sehr hart dafür, um es zu erreichen. 9 Stunden am Tag trainiert er dafür.

Klar sind die Erwartungen an ihn selbst sehr hoch, jedoch geht er meiner Meinung nach richtig bei der Zielsetzung vor. Das wichtigste bei einer Zielsetzung ist nämlich zu Beginn, dass es realistisch ist. Dann sollte das Ziel aber hoch genug gesetzt sein, damit es sich lohnt dafür zu arbeiten. Außerdem ist es wichtig einen Zeitraum festzulegen bis zu dem das Ziel erreicht werden soll. Bei Tomokazu Harimoto treffen alle Komponenten zu.

  1. Es ist in seiner momentanen Verfassung möglich das Ziel zu erreichen.
  2. Olympiasieger?! Wer würde das nicht gerne sein?
  3. Mit den olympischen Spielen 2020 in Tokio ist außerdem ein genaues Datum festgelegt

 

Abgesehen von den olympischen Spielen ist es auch in Zukunft gut möglich, dass Harimoto weitere Rekorde brechen wird. Jedoch weiß man nie was dazwischen kommen kann. So zum Beispiel Verletzungen oder Wachstum.

 

Wie Harimoto andere Länder beeinflusst

Am Rande der WTTC 2017 habe ich ein Gespräch mit einem Verbandstrainer geführt, auch über die Auswirkungen vom Spielern wie Tomokazu Harimoto. Das Problem ist oftmals, dass andere Schüler in diesem Alter nicht so ein hohes Trainingspensum absolvieren können. Klar Harimoto trainiert mit seinen 9 Stunden pro Tag noch einmal deutlich mehr als alle anderen. Doch das Problem ist, dass die anderen Länder, wie zum Beispiel Deutschland, sich mit Ländern wie Japan vergleichen. Man kann jedoch nicht erwarten, dass ein Tischtennisspieler, der maximal 15 Stunden pro Woche trainiert, genauso gut ist wie Spieler die 25-40 Stunden trainieren. Das steht einfach in gar keiner Relation zueinander, weshalb solche Länder erst einmal etwas grundlegendes an ihrem Konzept ändern müssen.

Die Rolle der Schule

Der elementare Unterschied zwischen Japan und Deutschland ist, dass in Japan das Schulsystem um die Leistungssportler kreiert wird und in Deutschland sich die Sportler einfach anpassen müssen. Ich war selbst zu meiner Zeit auf der Fachoberschule in einer Leistungssportklasse und konnte dort feststellen wie das Schulsystem versucht den Sportlern zu helfen. Leider ist es aber nicht wirklich gelungen, denn die meisten Sportler mussten entweder das Training reduzieren oder die Schule ganz abbrechen. Beides optimal miteinander verbinden klappt in Deutschland (noch) nicht. Du musst in Deutschland also entweder „All-In“ gehen oder das Trainingspensum verringern.

Menschen mit einem guten Zeitmanagement bekommen das natürlich oftmals besser hin und können teilweise sowohl im Sport als auch in der Schule erfolgreich sein.

Andere europäische Länder sind uns da aber leider auch schon voraus. So haben italienische und schwedische Tischtennisspieler zum Beispiel meistens ein deutlich höheres Trainingspensum als deutsche Kaderspieler. Wenn Deutschland also weiterhin eine Rolle im internationalen und europäischen Tischtennis spielen will müssen neue Konzepte erstellt werden. Es beginnt bei der Förderung und Entwicklung der Athleten und hört auf bei der Absicherung der Leistungssportler nach ihrer aktiven Karriere. Solange in Deutschland nicht verstanden wird, dass diese 2 Komponenten kombiniert werden müssen, kann man auch keine großen Titel in Zukunft erwarten. Zum einen im Tischtennis, aber auch in vielen anderen kleinen Sportarten. Langfristig gesehen wird es Deutschland bei Wettbewerben, wie den olympischen Spielen, immer schwerer haben.

Ich möchte dabei helfen, dass es deutsche Talente in Zukunft leichter haben werden, bei der Ausübung ihrer Leidenschaft. Das Schulsystem muss dabei grundsätzlich verändert werden. Dies ist natürlich ein längerer Prozess, jedoch möchte ich auf meinem weiteren Weg daran arbeiten. Dieses Ziel kann ich dennoch nicht alleine erreichen. Ich hoffe ihr als Community unterstützt diese Idee, denn nur gemeinsam können wir den Tischtennis-Sport in Deutschland erfolgreicher machen.

 

Nur wer hart arbeitet, der wird auch erfolgreich

Harimoto trainiert 9 Stunden am Tag und hat mit 4 Jahren bereits mit intensivem Training begonnen. Dies zeigt wieder, dass man mit viel Fleiß seine Ziele auch erreichen kann.

Hard work beats talent!

Klar kann man sagen, dass Tomokazu Harimoto ein Wunderkind ist und es daher leichter hat als andere, doch ich sehe das anders. Jeder Mensch hat Talent und hat 24 Stunden am Tag zur Verfügung. Wichtig ist am Ende immer nur was du mit der Zeit machst, die du zur Verfügung hast. Nicht jeder kann Weltmeister werden, doch jeder kann das Bestmöglichste aus seinem Talent und seinen Möglichkeiten machen.

Du kannst dir irgendeine Serie anschauen oder du gehst ins Fitnessstudio und arbeitest an dir selbst. Viele Fitnessstudios bieten mittlerweile auch Internet zum Beispiel auf dem Laufband an. So kann die Kondition verbessert und gleichzeitig ein Video auf YouTube angeschaut werden. Wichtig ist es smart zu handeln und für sich selbst den besten Weg zu finden.

Was meine ich mit den besten Weg für sich selbst finden?

Der 13-Jährige Harimoto motiviert sich selbst sehr stark während seinen Spielen, so verliert er sein Ziel auch nicht so schnell aus den Augen. Das kleine Ziel, nämlich dieses eine Match zu gewinnen. Langfristig erreicht er dadurch sein großes Ziel.

Andere jedoch haben ein Problem damit während dem Spiel aus sich selbst herauskommen oder können sich besser konzentrieren, wenn sie nicht regelmäßig „Tscho“ durch die Halle rufen. Ich finde, dass es Sinn macht, ein wenig herum zu probieren, um so seinen für sich persönlich richtigen, Weg zu finden. Auf die Vorteile und mögliche Nachteile von Selbstmotivation werde ich in einem anderen Artikel eingehen.

Grundsätzlich kann man jedoch sagen, dass meistens ein wenig ausprobiert werden muss bis irgendwann das, für sich, perfekte Verhalten im Match gefunden wird.

 

Sind die Emotionen gut für den Tischtennis Sport?

Ein 13-Jähriger Junge spielt bei der Weltmeisterschaft und merkt, dass er eine Chance hat zu gewinnen. Klar ist das motivierend für ihn und es ist auch OK das im Match zu zeigen. In welcher Ausprägung sei jetzt einfach mal dahin gestellt.

Anders sieht das ganze jedoch bei „unwichtigeren“ Turnieren aus. Muss man wirklich bei jedem Ball „Tschooo“ rufen? Hier könnte man wieder Bezug darauf nehmen, dass es für einen 13-Jährigen, wie im Fall Tomokazu Harimoto, nicht gewöhnlich ist so ein Turnier zu spielen.

Ich denke, der eine findet bei diesem Thema entweder immer eine „Ausrede“ wieso Harimoto sich so verhalten darf. Andere wiederum versuchen jemanden davon zu überzeugen wieso dieses Verhalten respektlos und nicht akzeptabel ist.

Im Allgemeinen ist es jedoch meiner Meinung nach gut für den Tischtennis Sport, wenn wirklich häufig Emotionen gezeigt werden. Vor allem wenn Spiele, in denen Emotionen gezeigt werden, im Fernsehen gezeigt werden kann dies einen positiven Einfluss auf die öffentliche Wahrnehmung von Tischtennis haben.

Das beste Beispiel dafür ist Dart. Diese Sportart hat den Schritt von einer Randsportart zu einer öffentlich positiv wahrgenommenen Sportart geschafft. Ich glaube eben auch, weil im Fernsehen die Dart-Spieler wirkliche, echte Emotionen zeigen.

 

Tomokazu Harimoto hat das Potenzial die Tischtennis-Szene dauerhaft zu beeinflussen und zu verändern. Mit seinen Verhaltensweisen und seinem noch jungem Alter steht vor ihm noch eine große Reise. Mega spannend wie sich das ganze entwickeln wird. Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass sich die Verantwortlichen ein wenig den Hype zu nutzen machen. Mittlerweile haben nämlich auch einige Medien von Harimoto berichtet, die normalerweise nichts über Tischtennis schreiben. Also lasst uns ein wenig davon profitieren und den Tischtennis Sport in der Öffentlichkeit bekannter machen!

 

Wie ist deine Meinung zu diesem Thema? Ist Tomokazu Harimoto Fluch oder Segen für unseren Sport?

 

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2 KommentareHinterlasse ein Kommentar

  • Davon mal abgesehen, dass die notwendige Motivation für Leistungssport mittlerweile eher selten ist, kommt das System „Deutschland“ hinzu.
    Die notwendigen Anstrengungen und die damit einhergehende teilweise Aufgabe anderer Aktivitäten kann man vielen Eltern nur noch schwer vermitteln.
    Und wenn die Eltern schon nicht mitziehen hat man eh verloren. Darüber hinaus ist in Deutschland in der Gesellschaft Bildung ein so hohes gut, dass die notwendigen Trainingsumfänge selbst in Sportschulen kaum noch erreicht werden können. Wir können also langfristig davon ausgehen, dass wir nur noch wenige Talente bekommen werden und diese dann extrem stark von der Förderung von Einzelpersonen oder Sponsoren abhängig sind.

  • Ich habe den Jungen bei der WM gesehen und finde in gut. Sein lautes Gebrülle bei jeden Punkt nervt seine Gegner mit recht, aber er würd älter und das Gebrülle würd leiser ! Aber so viel Talent wie alle denken habe ich leider nicht gesehen.

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