Tischtennis WM 2017 – Learnings, Meinungen, Harimoto & Fazit

Die Tischtennis WM 2017 ist zu Ende. Unglaublich was innerhalb weniger Tage dort alles passiert ist. Eigentlich brauche ich erst einmal ein paar Tage bis ich das alles verarbeitet habe, doch ich möchte diesen Artikel unbedingt für euch schreiben. Die Tischtennis Weltmeisterschaft hatte wirklich (fast) alles zu bieten was man von einer WM erwarten kann. Sensationen, geschlagene Chinesen, knappe Matches und tolle Ballwechsel. Neben den Matches gibt es auch immer ein Rahmenprogramm, die das Event noch besser machen sollen. Auch habe ich bei diesem Turnier viele Personen getroffen, mit denen ich mich über zahlreiche Tischtennis relevante Themen austauschen konnte. Nun geht es aber los mit meinem Fazit zur Tischtennis Weltmeisterschaft 2017 in Düsseldorf. Ich habe mich auch ein wenig umgehört und Besucher der WTTC 2017 nach ihren Erfahrungen und Meinungen gefragt, die hier mit einfließen.  

Positive Aspekte der Tischtennis WM:

  • Jeder hatte die Möglichkeit an Tickets zu gelangen (bis zu 8.000 verkaufte Plätze pro Tag)
  • Fun-Park ( große Halle, in der Tischtennis gespielt werden konnte)
  • Timo Boll in top Form
  • gute Stimmung
  • spannendes Finale (im 7. Satz zu 10 für Ma Long)
  • Halle direkt an der U-Bahn
  • alle deutschen Herren mit guten Leistungen
  • teilweise ausverkaufte Halle
  • Überraschungssiege (zum Beispiel Harimoto gegen Mizutani in der 2. Runde)
  • 2-maliger Weltmeister (Zhang Jike) wird früh besiegt
  • 13-Jähriger Tomokazu Harimoto erreicht das Viertelfinale
  • Deutsche Spielerin holt im Mixed die Bronze Medaille
  • gute Organisation
  • verschiedene Ess- und Trinkmöglichkeiten in der Halle
  • alle Spiele live im Internet zu sehen

Negative Aspekte der Tischtennis WM:

  • Stimmung ist teilweise schlecht gewesen
  • fragwürdige Spielansetzungen ( der eine Spieler erreicht schon die nächste Runde, der Gegner spielt erst am nächsten Tag)
  • deutsche Damen früh ausgeschieden
  • langer Durchweg von der Bahnstelle zur Haupthalle
  • der eine Tisch wurde am Sonntag und Montag nicht zentral aufgestellt -> schlechte Sicht für viele
  • relativ teure Tickets
  • keine/wenig Übertragungen der Heim-WM im Fernsehen

Was mir diese Tischtennis Weltmeisterschaft gezeigt hat:

  • Beinarbeit wird immer wichtiger -> wer die bessere Beinarbeit hat gewinnt meistens
  • sehr muskulöse Oberschenkel vor allem bei den japanischen und chinesischen Spielern
  • Der Aufschlag wird mehr geflippt, also offensiver gespielt, als sonst (Trend von kurz zurückspielen zu offensiv retournieren)
  • Die meisten Punkte werden über die Rückhand gewonnen
  • variables Spiel von Blockspiel und offensivem Spiel unglaublich wichtig
  • Bei interessanten Begegnungen würden über 10.000 Menschen den Weg in die Halle finden
  • Selbstmotivation kann sehr entscheidend sein und wird im Amateursport noch zu wenig verwendet
  • Körpersprache zeigt oft schon zu Beginn wer das Spiel gewinnen wird
  • Tischtennis in Deutschland kann eine gute Zukunft haben
  • Bei starkem Selbstbewusstsein können auch hohe Rückstande noch aufgeholt werden

 

Tomokazu Harimoto:

Tomokazu Harimoto, das 13-Jährige Wunderkind. Wo soll man da anfangen? Zu Beginn habe ich mir die Auslosung angeschaut und sofort gesehen, dass Jun Mizutani, der Weltranglisten 6., in der 2. Runde auf Harimoto treffen wird. Ich dachte mir in diesem Moment „Schade“. Zum einen Schade für die Japaner, weil 2 gute Spieler sofort aufeinander treffen. Und dann auch noch, weil ich wusste das ich den 13-Jährigen Jungen, auf Grund meiner verspäteten Anreise, nicht live sehen werde.

Doch dann passierte das nicht für möglich gehaltene. Tomokazu Harimoto gewinnt mit 4:1 gegen Jun Mizuatani. (Hier kannst du dir das Spiel noch einmal anschauen)

Viele, die in der Halle anwesend waren und die WM verfolgten, kannten bis zu diesem Zeitpunkt Harimoto noch gar nicht. Spätestens nach diesem Spiel war er jedoch fast jedem bekannt.

Zu Tomokazu Harimoto muss man noch wissen, dass er sich häufig sehr stark selbstmotiviert. Nach jedem Punktgewinn von ihm hallt es ein „Tscho“ oder „Tschorle“ durch die Halle. Außerdem sind die Eltern von Tomokazu ehemalige chinesische Nationalspieler. Er wurde mit dem Namen Zhang Zhihe geboren, bekam mit der japanischen Staatsbürgerschaft dann den japanischen Namen. 

Nach seinem Sieg gegen Mizuatani war die WM 2017 für ihn jedoch noch nicht vorbei. Neben dem Sieg gegen Mizutani hat Harimoto auch noch klar und deutlich gegen den Belgier Cedric Nuytinck, den Taiwaner Liao Cheng-Ting und den Slowaken Lubomir Pistej gewonnen. Er erreichte somit mit 13 Jahren, als jüngster Spieler aller Zeiten, das WM Viertelfinale. Erst dort sollte seine Reise enden, denn Xu Xin aus China war dann doch ein wenig zu stark. Jedoch ist auch hier anzumerken, dass Harimoto in diesem Spiel nicht chancenlos war. Das Match verlor er mit 1:4, jedoch hat er gezeigt, dass selbst die Chinesen in Zukunft vor ihm aufpassen müssen.

Wieso gibt es so viele verschiedene Meinungen über Tomokazu Harimoto?

Tomokazu Harimoto – er ist ohne Frage die Entdeckung der Tischtennis Weltmeisterschaft 2017. Einigen war er bereits vor dieser Tischtennis WM bekannt, doch die wenigstens haben ein Spiel von ihm gesehen. Live vor Ort noch viel weniger.

Diejenigen, die Harimoto kennen, wissen das der 13-Jährige nicht nur unglaublich spielt, sondern sich auch selbst motiviert nach jedem gewonnen Ball. Immer wieder kommt ein lautes „Tscho“ heraus. Und genau dieses Verhalten spaltet die Tischtennis-Welt. Die einen sehen darin viele positive Aspekte. Oft wird dem Tischtennis nachgesagt, dass zu wenig Emotionen gezeigt werden. Dies kann man von Harimoto nicht behaupten.

Andere jedoch halten dieses Verhalten für unangemessen bzw. sogar nicht akzeptabel. Das bekommt man sehr gut bei dieser WM in Gesprächen oder der Stimmung bei seinen Spielen mit.

Dieser große Unterschied zeigt mir jedoch wieder einmal, dass es ok ist nicht von allen gemocht zu werden. Man kann es nie allen Recht machen und im Endeffekt müssen wir das auch gar nicht. Wenn wir irgendetwas machen das Personen gut finden, dann gibt es auch immer welche die das schlecht reden. Harimoto ist das beste Beispiel dafür.

Von den einen wird er gefeiert & von den anderen schlecht geredet.

Ich finde jedoch, dass wir uns fragen sollten wieso das so ist. Wenn man sich das Beispiel Harimoto anschaut, dann kann man sehr viele positive und negative Aspekte darin sehen. An den wenigsten ist jedoch Harimoto selbst „Schuld“.

13-Jähriger Tischtennisprofi – wieso kein Schulkind?

Harimoto trainiert ohne Frage sehr viel, anders kann so ein Niveau auch nicht erreicht werden. Das darunter andere Lebensbereiche leiden, wie zum Beispiel die Schule, das sollte jedem klar sein. Doch ist das unbedingt etwas negatives? Klar ist, dass ein deutscher 13-Jähriger niemals mithalten kann. Hier in Deutschland ist es wichtig erst einmal die Schule zu besuchen. Rücksicht auf Leistungssportler wird dabei sehr wenig genommen. Jedoch ist es gerade im Tischtennis so, dass im Jugendalter sehr viel trainiert werden muss, damit man wirklich ein sehr guter Tischtennisspieler wird. Da sind uns anderen Nationen deutlich voraus, nicht nur Japan.

Bei mir kommt dabei die Frage auf ob und wieso jeder den gleichen Weg gehen muss mit Abschluss und Studium. Harimoto steht mit 13 Jahren in einem WM Viertelfinale. Wenn er keinen Job in der Tischtennis Branche finden sollte, dann weiß ich auch nicht. Klar gibt es die Möglichkeit, dass Tomokazu Harimoto irgendwann keine Lust mehr auf Tischtennis hat. Doch manchmal muss man eben auch Risiken eingehen, wenn man erfolgreich sein will. Das vergessen viele und darauf möchte ich hier hinweisen.

 

Kommentar zu weiteren Spielern:

Anton Källberg:

Der 19 Jährige Schwede spielt bei Borussia Düsseldorf und konnte auch bei dieser Weltmeisterschaft überzeugen. Viele bekamen dennoch nichts von ihm mit, da er zur gleichen Zeit gegen den neuen und alten Weltmeister Ma Long gespielt hat, als Harimoto gegen den Weltranglisten 6. Jun Mizutani gewonnen hat. Källberg hat gegen Ma Long sehr gut mitgehalten und konnte 2 Sätze gewinnen. Dieses Spiel macht mir persönlich Hoffnung, dass auch in Zukunft Europäer die Weltspitze erreichen können. Hier kannst du das Spiel Anton Källberg gegen Ma Long sehen.

Dimitrij Ovtcharov:

Ovtcharov hatte sich im Vorfeld der Tischtennis WM 2017 große Hoffnungen gemacht. Zum einen ist er die Nummer 5 der Welt und zusätzlich war da ja noch der Bonus der Heim-WM. Leider konnte er zu keinem Zeitpunkt seine absolute top Form erreichen. Dennoch war das Spiel Ovtcharov gegen Koki Niwa meiner Meinung nach das spannendste Spiel dieser Weltmeisterschaft. Vielleicht hat er sich ja auch selbst zu viel Druck gemacht, wer weiß das schon. Dennoch hat Ovtcharov, genauso wie alle anderen deutschen Spieler, gut gespielt und kann zwar nicht mit dem Ergebnis, aber mit seiner Leistung, weitestgehend zufrieden sein.

Timo Boll:

Timo Boll war mit Harimoto die größte Überraschung der Weltmeisterschaft. Klar jeder kennt Timo Boll und weiß wie gut er schon gespielt hat. Dennoch haben ihm die wenigsten so ein Turnier wie in Düsseldorf zugetraut. Er machte ein gutes Spiel gegen Freitas aus Portugal und kämpfte gegen Ma Long im Viertelfinale bis zum Schluss. Auch hier kamen Kommentare auf ob Ma Long denn mit angezogener Handbremse gegen Timo Boll gespielt hat. Ma Long kann wahrscheinlich wirklich ein wenig besser spielen, dennoch war es ein starkes Spiel von beiden und Timo Boll hat verdient 2 Sätze gegen Ma Long gewonnen. Das Match hätte sogar in den 7. Satz gehen können und wer weiß wie das Spiel dann ausgegangen wäre. Wir sollten einfach die grandiose Leistung von Timo Boll bei diesem Turnier anerkennen und froh sein so einen Spieler in Deutschland zu haben.

Leider war die Auslosung im Doppel nicht so gut, weshalb das Doppel Timo Boll/Ma Long schon früh auf die neuen Weltmeister Xu Xin/Fan Zhendong getroffen sind. Trotz eines guten Matches hat es leider gegen diese beiden Chinesen nicht zu einem Sieg gereicht.

Xu Xin:

Xu Xin ist der einzige Penholder Spieler der Chinesen und dazu noch ein Linkshänder. Beeindruckend ist dabei, dass er, obwohl er relativ groß gewachsen ist, sehr beweglich ist. Im Achtelfinale hat er gegen seinen Landsmann Lin Gaoyuan im Entscheidungssatz einen 5:10 Rückstand noch aufgeholt und ist mit 12:10 ins Viertelfinale eingezogen. Beeindruckend wie nervenstark Xu Xin in diesem Moment gewesen ist. Im Viertelfinale traf er dann auf den Japaner, mit chinesischem Blut, Harimoto. Einige Spieler und Zuschauer empfinden es ja als unsportlich, wenn Harimoto sich nach einem gewonnen Ball selbstmotiviert, doch halte ich Xu Xin sein Verhalten in diesem Spiel noch für weniger akzeptabel. Der Respekt von Xu Xin gegenüber Harimoto war klar zu erkennen und er wollte auf keinen Fall gegen das „Kind“ verlieren. Aus diesem Grund versuchte er mit Zeitspiel und nicht fairen Unterbrechungen den 13-Jährigen Japaner zu verunsichern. So ein Verhalten hat ein Spitzenspieler wie Xu Xin meiner Meinung nach nicht nötig.

 

Learnings der Tischtennis WM 2017:

Als Zuschauer und Beobachter der Weltmeisterschaft habe ich versucht viel aus den Spielen abzulesen. Dabei wurde mir wieder einmal aufgezeigt, dass es verschiedene Wege gibt um ein guter Tischtennisspieler zu sein. Wichtig ist es seinen Spielstil zu finden und seinen Spielaufbau so zu optimieren, damit die eignen Stärken bestmöglich und häufig eingesetzt werden können. Auch ist es von so großer Bedeutung, dass der Fitnesszustand stimmt. Die Beweglichkeit der Spitzenspieler ist oftmals unglaublich. Hier kann man jedoch auch wieder erkennen welche Spieler mehr an der körperlichen Fitness arbeiten als andere. Die Spieler dehnen sich vor dem Spiel und sogar zwischen den Ballwechseln teilweise. Du musst sehr beweglich sein, wenn du ein sehr guter Tischtennisspieler werden willst. Wie das gehen kann habe ich hier geschrieben. Das hat man sehr gut am Beispiel Vladimir Samsonov erkannt. Samsonov ist ohne Frage ein sehr guter Tischtennisspieler, doch bekommt er mit der Zeit immer größere Probleme gegen sehr bewegliche Spieler. Auf Grund seines hohen Alters kann er da nicht mehr ganz so gut mithalten. Daher hatte er auch keine Chance bei der 0:4 Niederlage gegen den Südkoreaner Lee Sangsu, der am Ende den 3. Platz erreichte.

 

Ich bin nun erschöpft von den vielen Stunden Tischtennis, die ich in den letzten Tagen gesehen habe. Dennoch habe ich neue Motivation getankt für die nächsten Monate für meine eigenen Trainingseinheiten. Vor allem habe ich es mir als Ziel gesetzt ebenfalls kräftigere Oberschenkel zu bekommen. Hier auf dem Blog und allgemein von mir als Person wird in den nächsten Monaten wieder mehr Content kommen. Schau also am Besten immer mal wieder vorbei. 

Wir hören uns 🙂

Bojan

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