Jüngster Tischtennis A-Lizenz Trainer Deutschlands im Interview

Wir haben ein Interview mit Manuel Hoffmann, dem jüngsten Tischtennis A-Lizenz Trainer Deutschlands, geführt. Manuel hat erst vor kurzem die A-Lizenz Prüfung absolviert und hat uns hier auf dem Tischtennis Blog ein paar Fragen beantwortet. Es geht unteranderem um die A-Lizenz Ausbildung, gesunde Ernährung und die Chinesen. Viel Spaß beim Lesen!

Interview mit Manuel Hoffmann

Hallo Manuel! Schön, dass du heute bei mir zu einem Interview zu Gast bist. Du bist der jüngste Tischtennis A-Lizenz Trainer Deutschlands. Meinen Glückwunsch an dieser Stelle nochmal! Du bist selber ein erfolgreicher Tischtennisspieler und hast bereits Spiele in der 2. Bundesliga absolviert. Wann und warum hast du die Entscheidung getroffen als Tischtennistrainer richtig durchzustarten?

Hi Bojan, danke für deine Einladung. Nach meinem Abitur 2012 habe ich mich für ein FSJ beim BTTV entschieden. Da ich ja schon viele Jahre selbst im Kader aktiv war und daher jeden gekannt habe, hat sich das so ergeben. Während dieses Jahres durfte ich erste Erfahrungen als Trainer sammeln und absolvierte die C-Lizenz. Nach dem Jahr wurde die Mannschaftsstärke der 2. Bundesliga von 6 auf 4 Mann gekürzt. Somit war für mich leider kein Platz mehr im Team. Jedoch war der BTTV mit meiner Arbeit als FSJler zufrieden und bot mir einen Honorartrainervertrag an. Gleichzeitig habe ich mich dann für ein BWL-Studium in Regensburg entschieden. Um mein Studium zu finanzieren habe ich eben Trainerstunden gegeben und war bei Lehrgängen und Turnieren des BTTV dabei. Danach hat sich alles so ergeben. Erst mit der A-Lizenz habe ich mich entschieden noch ein bisschen mehr auf das Standbein Tischtennis zu setzen.

 

Was sind die Anforderungen um die Tischtennis A-Lizenz Ausbildung absolvieren zu können?

Die Anforderungen sind sehr hoch. Nach der offiziellen Bewerbung in der man auch schon Beweise für seine Trainertätigkeit und eine Bestätigung des Verbandes liefern muss wird man zur Aufnahmeprüfung eingeladen. Hier schreibt man 2 Klausuren hat ein Bewerbungsgespräch und leitet eine Trainingseinheit.  Alle 2 Jahre findet so eine Aufnahmeprüfung statt. Bei mir waren es 15 Teilnehmer und noch 7 freie Plätze für die Ausbildung. Manch einer behauptet sogar, dass die Aufnahmeprüfung schwerer zu bestehen ist als die Abschlussprüfung.

 

Du hast bestimmt eine Menge gelernt auf dem Weg zum Tischtennis A-Lizenz Trainer. Welche Themen werden bei der Trainerausbildung angesprochen? 

Die Themen der A-Lizenz sind sehr breit gefächert. Natürlich werden sehr viele TT-spezifische Themen besprochen. Aber auch Ernährung, Psychologie, Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und  Sozialkompetenz waren Bereiche.

 

Was ist der große Unterschied zwischen der B-Lizenz und der A-Lizenz Ausbildung?

Der größte Unterschied ist, dass die A-Lizenz voll auf den Hochleistungssport ausgerichtet ist. Wir analysierten Spiele von den Jugendeuropameisterschaften aber auch von Boll gegen Ma-Long. Früher habe ich mich an so ein Niveau nicht herangetraut. Jetzt schaue ich hochklassige Spiele mit einem ganz anderen Auge an und versuche die Taktik der Spieler nachzuvollziehen. Außerdem fand jede unserer Präsenzphasen im  Deutschen Tischtennis Zentrum in Düsseldorf statt. Dabei ist es „normal“ das die Nationalspieler wie Boll, Steger, Ovtcharov oder Franziska beim Essen direkt hinter dir in der Schlange stehen. Unter unseren Dozenten waren nur bekannte Namen in der Tischtennis-Szene und man hat direkten Einblick in den Profi-Tischtennis-Bereich bekommen. Nicht selten waren wir zusammen mit Helmut Hampl (U23 Nationaltrainer) oder den anderen Jugendnationaltrainern im Seminarraum oder in der Halle.  Auch Jörg Roßkopf und Richard Prause haben kurze Vorträge gehalten.

 

Im Fußball hat jede Kreisliga Mannschaft einen eigenen Trainer, im Tischtennis sieht das ganz anders aus. Haben wir ein Trainerproblem im Tischtennis?

Ich glaube nicht, dass es ein Trainerproblem ist. Vielmehr ein Problem des Geldes und der Masse. Wenn man sich mal überlegt, wieso ein Trainer freiwillig Stunden gibt ist dies meist, weil der eigene Sohn oder die eigene Tochter in dieser Gruppe trainiert. Das ist sowohl im Fußball als auch im Tischtennis der Fall. Da es im TT aber nicht so viele Kinder gibt, sind auch weniger Elternteile da, die die Sache übernehmen wollen. Hinzu kommt noch, dass Tischtennis so unglaublich kompliziert ist, dass ein freiwilliger ohne Trainerschein sehr wenig helfen kann. Im Fußball kann man eine F-Jugend mMn auch ohne Trainerschein weiterhelfen. Natürlich ist im Tischtennis auch viel weniger Geld im Spiel. Wenn ich von Freunden höre, was die Kreisligatrainer im Fußball für bekommen, dass sie 2 mal in der Woche Training geben und am Wochenende mit zum Spiel fahren, ist das vergleichbar mit einer Regionalligamannschaft im Tischtennis. Deswegen ist es natürlich auch unattraktiv eine Trainerausbildung im Tischtennis zu machen. Daher fehlen auch Trainer.

 

Tischtennis wird sehr selten im Fernsehen gezeigt und wird von der Öffentlichkeit auch nicht wirklich professionell wahrgenommen. Sollte versucht werden, auch mit Hilfe von gut ausgebildeten Trainern, den Tischtennissport professioneller und bekannter zu machen?

So hart es ist, aber in vielen Bereichen ist Tischtennis noch unprofessionell. In der zweiten Bundesliga gab es noch Mannschaften die mit einem Mann zu wenig angetreten sind. Stell dir mal vor ein Verein der zweiten Bundesliga im Fußball würde wegen einem zu geringen Kader nur 10 statt 11 Leute auf den Platz bringen. Und das ist nur ein Beispiel von vielen die ich hier nennen könnte. Hier muss die ITTF und auch der DTTB in Aktion treten um solche fatalen Sachen zu verhindern. Ich glaube nicht, dass es der Sportart an Bekanntheit fehlt. Fast jeder Mensch hat schon einmal Tischtennis gespielt. Egal ob in der Schule im Freibad oder im Verein. Es muss nur attraktiver für den Zuschauer werden. MMn fehlt hier das Event um ein Tischtennisspiel. Bei einem Eishockeyspiel laufen die Spieler aus einer Nebelwand bei lauter cooler Musik in die Halle. Bei Fußballspielen laufen die Mannschaften während der Hymne ein und die Namen werden von den Fans gerufen. Jeder Spieler hat eine kleine Videosequenz an der Leinwand, die bei der Mannschaftsaufstellung gezeigt wird. Im Tischtennis ist man froh, wenn man einen Zettel mit ein paar aktuellen Informationen über den Gegner bekommt.

Die Trainer können dabei helfen indem sie vielleicht einen neuen Timo Boll in die Weltspitze bringen. Natürlich ist es für die Allgemeinheit uninteressant wenn im 4 Chinesen im WM-Halbfinale stehen. Wenn es wir Trainer schaffen einen Weltklassespieler herauszubringen und die Spiele zu einem Event machen, kommen mehr Leute zu den Spielen und wird es auch in Deutschland wieder mehr im TV gezeigt. Wodurch wieder mehr Geld vorhanden wäre usw…

 

Wie wichtig ist es im Tischtennis Spitzensport körperlich fit zu sein und sich gesund zu ernähren?

Es ist nichts wichtiger als das. Genau wie in allen anderen Sportarten ist es sehr wichtig topfit zu sein und sich sehr gut zu ernähren. Auch Tischtennis wurde in den letzten Jahren sehr athletisch. Dadurch, dass im jungen Jahren schon sehr hohe Trainings-Umfänge von Nöten sind, ist es bereits im jungen Alter sehr wichtig fit zu sein. Denn sonst werden durch die Einseitigkeit des Tischtennis schnell Verletzungen erscheinen. Durch diese hohen Umfänge ist natürlich auch sehr wichtig, dass die Spieler sich zwischen den Einheiten gut erholen. Und gute Regeneration fängt mit guter Ernährung an. Diese zwei Punkte sind wie in allen anderen Sportarten essentiell.

 

Was für ein Training leitest du im Moment als Trainer und welche Ziele hast du dir dabei gesetzt? 

Ich bin seit 1.7.2016 als Verbandstrainer des BTTV tätig. Ich leite hier ein Stützpunkttraining und bin aber ab September in München. Hier soll in Zusammenarbeit mit dem DOSB ein Sportinternat entstehen. 2020 soll eine eigene Halle inklusive Büros fertiggestellt werden. Meine Aufgabe ist es, bayrische Jugendspieler auf ihren Weg in die nationale und vielleicht auch internationale Spitze ihres Alters zu begleiten. Ziel ist es jetzt erst mal das Internat aufzubauen. Hier brauchen (bis 2020 die Halle steht) wir Hallen, Sparringspartner und Spieler. Es ist eine sehr große Aufgabe. Wenn aber 2020 dann die Halle fertig ist, versuchen wir das Training für die größten Nachwuchsspieler in Bayern zu zentralisieren und dadurch auf ein anderes Niveau heben. Mit der Zentralisierung haben wir die Chance langfristige Trainingspläne zu erstellen. Sinnvolle Pausen anzuordnen und auch das Umfeld für die Spieler gut zu gestalten. Hier stehen natürlich Punkte wie Pädagogische Betreuung auf dem Plan aber auch Physiotherapie und Fitnesstrainer gehören zu so einem Umfeld.

 

Welchen Tipp kannst du den Lesern geben, damit sie schneller erfolgreicher werden?

Durch die Komplexität des Sportes ist es sehr schwierig schnell besser zu werden. Nur durch kontinuierliches Training ist es möglich sich zu verbessern. Natürlich hilft hierbei auch das ein oder andere Video anzuschauen und sich vielleicht ein paar Tricks von den Profis abzuschauen. Ein gutes Beispiel ist hier das Aufschlagtraining. Ein eher unbeliebtes Thema bei Tischtennisspielen. Fast kein Spieler macht gerne und freiwillig Aufschlagtraining. Jedoch ist dies der einzige Ball den ich wirklich alleine perfektionieren kann. Vergleichbar ist dies mit den Freistößen beim Fußball. Topstars wie Ronaldo, Bale oder Messi stehen halt einfach noch 30 Minuten länger als alle anderen am Platz und trainieren Freistöße. Auch ein Dimitrij Ovtcharov macht das. Jedoch kenne ich sehr wenige Amateure die konzentriertes  Aufschlagtraining machen. Also Training, Training, Training und die Lust sich zu quälen.

 

Wie oft sollte man deiner Meinung nach trainieren um wirklich Erfolge sehen zu können?

Das kommt immer darauf an über welches Niveau wir sprechen. Eine Amateurspieler der wirklich regelmäßig zweimal pro Woche trainiert wird innerhalb von einem halben Jahr eine deutliche Leistungssteigerung spüren. Hier muss nicht mal zwangsläufig ein Trainer dabei sein. Irgendwann wird jedoch ein Limit erreicht sein, wo es nicht mehr weitergeht. Dann ist ein Trainer unumgänglich. Auch Einnnzeltrainerstunden helfen dabei seine Technik/Taktik zu verbessern. Geht es in den Nachwuchsbereich (Leistungssport) sollten die Spieler zwischen 8 und 11 Jahren bereit 8-10 Trainingsstunden in der Woche trainieren. Jugendlich eher 14-16. Sprich 7 Einheiten / Woche.

 

Es ist (fast) kein Nachwuchstalent in Deutschland zu erkennen, der in der Weltspitze angreifen könnte. Woran liegt dies und wie kann diese Entwicklung verhindert werden?

Naja, in China gibt es Lehrstühle an Unis die sich nur mit Tischtennis beschäftigen. In Deutschland beschäftigt sich derzeit genau 1 Mitarbeiter an wissenschaftlichen Themen die Tischtennisbezug haben. Wie z.B statistische Auswertungen von Spielen, biomechanische Analysen von Schlagtechniken usw… Hier ist Deutschland weit hinterher. Auch die Masse der Spieler fehlt in Deutschland. Außerdem ist in China ein ganz andere Ehrgeiz bei den Spielern. So hart es klingt aber für manche Spieler geht es dort darum ob sie Tischtennisprofi werden oder auf der Straße sitzen. Das ist zum Glück in Deutschland nicht der Fall.  Ganz verstecken sollten wir uns jedoch auch nicht. In manchen Bereichen können wir Europäer auch punkten. In Sachen Trainingsmethodik und Gestaltung sind wir den Chinesen voraus und das sollten wir auch wissen und nutzen. Denn solange wir die Chinesen immer versuche zu kopieren, können wir nur so gut werden wie die sind, jedoch nicht besser.

 

Danke dir Manuel für diese interessanten Einblicke und weiterhin viel Erfolg bei deiner Trainerkarriere!

 

PS: Hast du auch vor in Zukunft deine Trainerausbildung zu absolvieren? Hier habe ich bereits über die Tischtennis C-Trainerausbildung berichtet. Dies wäre der erste Schritt um auch A-Lizenz Trainer im Tischtennis, so wie Manuel Hoffmann, zu werden. 

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